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Der Einstieg ist das Entscheidende – Kinder und Jugendliche in Nachsorgemaßnahmen

Kinder und Jugendliche in Notfallsituationen rufen bei Einsatzkräften eine besondere Betroffenheit hervor. Einerseits wird hier der natürliche Schutzinstinkt aufgerufen, verstärkt ggf. durch Erinnerungen aus der eigenen Kindheit sowie Erfahrungen eigener Elternschaft. Anderseits gilt es jedoch auch die Unabänderlichkeit eines Unglücks zu realisieren, die häufig die Sinnfrage in der Einsatzkraft aufruft.

Prof. Dr. Harald Karutz, MSH Medical School Hamburg. Bild: Peter Frank

Prof. Dr. Harald Karutz von der MSH Medical School Hamburg führte als Referent den 19 ENT-Mitgliedern und Interessierten am Montag (09.03.2020) in die komplexen Herausforderungen einer Einsatzlage mit Kindern und Jugendlichen ein.

Am zweiten Tag des Frühjahrsseminars an der LSTE ergänzten das bisher Vorgetragene Überlegungen zu Gruppengesprächen mit Kindern und Jugendlichen. Fazit: Es gibt nicht das eine Gesprächsangebot, es stehen stattdessen zu verschiedenen Zeitpunkten unterschiedliche Varianten für die differenten Zielgruppen zur Verfügung und sollten als Auswahlmöglichkeit Berücksichtigung finden. Wichtig bleibt jedoch, einen Einstieg für ein Gruppengespräch zu finden, der eine Beziehung zu den teilnehmenden Kindern und Jugendlichen aufbaut, einer Bereitschaft für ein Gespräch über das Erlebte den Weg ebnet.

Historische Steuerungstechnik der Zwillingsschachtschleuse Eisenhüttenstadt. Bild: Peter Frank

Eine willkommene Abwechslung für Geist und Körper ermöglichte den Seminarteilnehmenden eine Exkursion in die Zwillingsschachtschleuse der Stadt Eisenhüttenstadt. Der Bau aus den 20-ger Jahren des vorigen Jahrhunderts ist nicht nur eine technische Meisterleistung, sondern beeindruckt als Anlage zugleich durch die hochwertige Gestaltung bis in kleinste Details hinein, die sich konsequent an der Ästhetik eines Schiffes der damaligen Zeit orientiert.

Zum Abschluss seiner Ausführungen stellte Prof. Karutz noch erste Forschungsergebnisse einer Studie zur „Psychosoziale Notfallversorgung für Kinder und Jugendlichen in komplexen Gefahren- und Schadenslagen“ vor. Im Ergebnis kann das Frühjahrsseminar 2020 des ENT Brandenburg als ein weiterer Baustein der notwendigen Entwicklung einer entsprechenden fachlichen Expertise bei Einsatzkräften angesehen werden. Eine inhaltliche und strukturelle Einbindung des erworbenen Know-hows in bestehende Ressourcen der Landes-PSNV gilt es nachfolgend noch zu erbringen.

Zum Tagesausklang fanden sich alle ENT-KollegInnen in der liebevoll restaurierten Gaststätte „Aktivist“ ein, die bereits zu DDR-Zeiten ein geschätzter Treffpunkt der Stadt war.

Am Mittwoch, den 11.03., stand eine Rollenspiel-Übung im Zentrum der inhaltlichen Seminararbeit. Inhaltlich bezogen auf die ersten Seminartage stand hier ein Nachsorgegespräch mit Teilnehmern einer Jugendwehr im Mittelpunkt der Übung.

Vorbereitung auf das Rollenspiel. Bild: Peter Frank

Die Herausforderung bestand zunächst darin, die verschiedenen Bedarfe von Einsatzkräften und Jugendwehr zu identifizieren und geeignete Maßnahmen zu umreißen. Danach galt es die Jugendlichen unterstützende Personen zu benennen und methodisch in das angepasste Gesprächsformat einzubinden. Die ausführliche Auswertung zielte auf eine verstehende Rückbindung des erlebten Übungsgeschehens zum inhaltlichen Input der ersten beiden Fortbildungstage.

Mit einer gemeinsamen Auswertung der Fortbildung und dem Hinweis auf das Sommerseminar am Störitzsee vom 28. bis 29. August 2020 wurden die interessanten Ausbildungstage beendet.

Ehrung von Einsatzkräften in der Staatskanzlei Potsdam

Ministerpräsident Woidtke während persönlicher Ansprache auf der Ehrung. Bild: Staatskanzlei Potsdam

Tischrunde um Innenminister Stübgen mit Vertretern der Freiwilligen Feuerwehr, DLRG, ENT BB, Opferhilfe „Weißer Ring“ und Presse. Bild: Staatskanzlei Potsdam

Einsatznachsorge anstatt Sorgen nach dem Einsatz

Auch im Jahr 2019 gab es viel Arbeit für die ENT-ler in den Reihen der Polizei, den Feuerwehren und beim Rettungsdienst. Ca. 90 Veranstaltungen verschiedenster Art wurden von den Ehrenamtlern in 2019 bestritten.

ENT 2020: Insgesamt 59 mal wurde im vergangenen Jahr das ENT (EinsatzNachsorgeTeam des Landes Brandenburg) aufgrund der (Für)-Sorge von Führungskräften oder Kollegen um die Gesundheit von Einsatzkräften nach Einsätzen mit extremen Belastungen angefordert. Hiervon fanden für die Polizei 17 Nachsorgeveranstaltungen statt.
Das dies ein Ausdruck der Stück für Stück erkennbaren Entwicklung einer Fürsorgekultur im Land Brandenburg ist, steht außerfrage, denn in der Polizei entspricht dieser Trend dem Auftrag der psychosozialen Unterstützung (PSU) gem. PDV 100 und Leitfaden 150.
Neben der Einsatznachsorge für betroffene Einsatzkräfte wurden im Jahr 2019 durch das ENT BB auch 25 Präventionsveranstaltungen (Schulungen/Info-Abende/Fortbildungen) sowie 6 Veranstaltungen an Tagen der offenen Tür (z.B. bei der Polizei, der Feuerwehr oder dem THW) durchgeführt. Diese Präventionsveranstaltungen, welche die Einsatzkräfte für potentiell belastende Situationen sensibilisieren und aufrüsten, sind zunehmend gefragt und mittlerweile auch als fester Baustein in das Fürsorgesystem des Dienstherren integriert.
Die Mitglieder des ENT BB sind sozial engagierte Einsatzkräfte, Sozialpädagogen oder Psychologen, denen die Gesundheit der Kollegen in den Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS) am Herzen liegt. Die Arbeit erfolgt ehrenamtlich. Mehrmals im Jahr finden Fortbildungen statt, um die Fachkräfte und Peers (Kollegen für Kollegen) zu qualifizieren. Beamte werden dafür vom Dienst freigestellt. Die Einsätze für das ENT bestehen aus Einzel- und Gruppengesprächen im Anschluss an belastende Einsätze, sowie Schulungen in Dienststellen der Blaulichtorganisationen und dienen der besseren Verarbeitung von Einsätzen und damit der Vorbeugung von Folgestörungen.
INTERESSE? Du findest Einsatznachsorge interessant und wichtig?! Du würdest auch gern diese Tätigkeit im Ehrenamt ausüben?! Verstärke unser Team!!! Sprich unsere Kollegen des ENT in der Polizei an:

Jürgen Wildemann (PD West/VD Michendorf)
Roland Lange (PD West/KKI PI Pdm)
Sandy Feige (PD Süd/Präv. SFB)
Manuela Höbler (PD West/KDD Pdm)
Anke Jäger (SKE HPol OR)
Beate Wolf (Seelsorgerin HPol OR)
Matthias Mehlhorn (SKE HPol OR)

 

Die Arbeit des ENT-Brandenburg im Jahr 2019

Schulungen und Informationsveranstaltungen -Primäre Prävention

 

Im Land Brandenburg fanden 2019 insgesamt 25 Informations- und Schulungsveranstaltungen bzw. Termine der Öffentlichkeitsarbeit statt, die von Mitgliedern des Einsatznachsorgeteam durchgeführt wurden. Diese richteten sich an folgende Personen/Institutionen:

  • Kameraden der Freiwillige Feuerwehren und Berufsfeuerwehr
  • Führungskräfte der Feuerwehr
  • Polizeikräfte
  • Zoll
  • Airport

Hier wurden mehr als 531 Einsatzkräfte erreicht.

 

Einsatzgeschehen im Jahr 2019 – Sekundäre Prävention

 

2019 wurde das ENT im Rahmen der sekundären Prävention zu insgesamt 59 Nachsorgemaßnahmen im ganzen Land Brandenburg angefordert.

 

In den 59 Nachsorgemaßnahmen konnten 303 Einsatzkräfte erreicht werden. Es wirkten bei den verschiedenen Einsätzen 97 ENT-Kolleg*innen (z.T. mehrmals in verschiedenen Einsätzen) mit.

 

In 2019 fanden jeweils im Abstand von mehreren Tagen zum belastenden Einsatz 32 Einsatznachbesprechungen für eine Gruppe (Debriefing) mit insg. 220 Teilnehmenden statt.

Eine andere methodische Form der Einsatznachbegleitung sind Einzelgespräche, die in 2019 zwölfmal angefordert wurde. Fünf telefonische Beratungen, vier kollegiale Gespräche sowie die Beratung eines Wehrleiters waren weitere Einsatzformate im Jahr 2019.

Das ENT begleitete eine Beerdigung sowie drei Trauergespräche.

Erneut wurde das ENT auch von einer Jugendwehr für eine Nachsorgemaßnahme angefordert.

 

Nach wie vor sind die Feuerwehren im Land Brandenburg die Hauptanforderer

(33 Anfragen, z.T. mit anderen), gefolgt von der Polizei (18), dem Rettungsdienst (5, z.T. mit anderen) sowie DLRG sowie DRK (je 1).

 

Personalentwicklung ENT-Mitglieder im Jahr 2019

 

Bezugnehmend auf die Qualitätsrichtlinien des BBK ist die kontinuierliche Qualifizierung der Teammitglieder ein stetiges Arbeitsfeld der Leitungstätigkeit.

Im März 2019 wurde daher für die ENT-Mitglieder die o.g. Schulungsmaßnahme zum Thema „Trauer, Schuld und Wut“ angeboten. Das in 2017 eingeführte mehrstufiges Zugangsprozedere für die Mitarbeit im ENT Brandenburg ermöglichte nunmehr nach einem strukturierten Kennenlernprozess für beide Seiten die informierte Entscheidung in Bezug auf eine weitere ENT-Mitarbeit zu treffen.

Drei Teammitglied nahm am Lehrgang der SbE-Bausteine I und II http://www.sbe-ev.de/index.php/de/ausbildung teil, ein Teammitglied vervollständigte seine Ausbildung mit dem SbE-Baustein IV.

 

Qualitätssicherung

 

Als Instrument der Qualitätssicherung wurde in 2017 ein standardisierter Fragebogen entwickelt und 2018 erstmals kontinuierlich zum Einsatz gebracht. Der Fragebogen wird 14 Tage nach der Nachsorgemaßnahme mit der Bitte um eine freiwillige Rückmeldung der Gesprächsteilnehmenden an die Anforderer geschickt.

Bei einem Rücklauf von ca. 50% bewerteten ca. 80% davon die Nachsorgemaßnahme als Sehr gut,  20 % als Gut

 

In den zahlreichen Nachsorgemaßnahmen wird von den Einsatzkräften erlebte Gewalt während des Einsatzes (Beleidigung, Behinderung der Arbeit, Gefährdung etc.) genannt. Darauf reagierend beabsichtigt das ENT für die fachliche Weiterentwicklung der Mitarbeitenden in 2021 zu diesem Themenkreis einen Referenten für das Frühjahrsseminar einzuladen.

 

Öffentlichkeitsarbeit

 

Durch die Mitwirkung in sechs verschiedlenen öffentlichen Veranstaltungen konnte in 2019 eine breite, z.T. politische, Öffentlichkeit über die Intention der Einsatznachsorge  sowie die Arbeit und verschiedenen Angebote des Teams informiert werden.

 

Leitungsarbeit und Vernetzung

 

Im Jahr 2019 waren zwei Leitungstreffen zur fachliche Entwicklung des ENT, zur Vorbereitung der Seminare sowie der Auswertung der Einsatzaktivitäten.

 

2019 fanden folgende Kooperationsaktivitäten statt:

  • PSNV-Regionalkonferenz in Berlin
  • PSNV Symposium Ahrweiler
  • Symposium Polizei Potsdam Eiche zum Thema PSNV in GSL
  • Veranstaltung der FUK in Rangsdorf – Vernetzung PSNV mit den Notfallpsychologen der ostdeutschen Psychotherapeutenkammer
  • Treffen AG PSNV BB
  • Sitzungen KBM Tagung
  • Vernetzung Opferschutz der Stadt Potsdam
  • Vernetzung Traumaambulanz der Stadt Potsdam
  • Vernetzung Psychologen PÄD der POL BB
  • Kontakte, Vernetzung PSNV – Sachsen, NRW, Niedersachsen, HH, B
  • Vernetzung GPTG Berlin Themenbereich: Einsatznachsorge (mit Einbindung an der LSTE durch Joachim Häcker)
  • Vernetzung TH Mittelhessen zum Thema PSNV in GSL und Einsatznachsorge
  • Kontakt zum SbE Bundesverband -Oliver Gengenbach – zum Thema: Versorgung Mitarbeiter Sea Watch
  • Kontakt BBK – Jutta Helmerichs und Mark Overhaben
  • Hospitationen LSt Potsdam und Brandenburg/Havel
  • Vernetzung Flughafenfeuerwehr Berlin Tegel und Berlin Schönefeld
  • Vernetzung Notfallmanagement/Austauschforum Notfallplanung TXL und SXF
  • Vernetzung PD Süd, StB 1.1. Polizei Brandenburg (zuständig künftig für den BER)

 

 

„Ehrenamtler aus Oberhavel gewürdigt“ (MAZ, 20.01.2020)

Herbstseminar 2019

Es ist seit vielen Jahren eine Tradition, am zweiten Novembersonnabend in der Landeshauptstadt der in den vergangenen zwölf Monaten im Dienst verstorbenen Einsatzkräfte von Polizei, Feuerwehr und Rettungsdiensten gemeinsam zu gedenken.

So versammelten sich diesjährig am Nachmittag des 09. November in der Nikolaikirche Potsdam zusammen mit den Angehörigen von Verstorbenen der Innenminister des Landes Brandenburg, Karl-Heinz Schröter, Verantwortungsträger der verschiedenen Einsatzkräfte, Mitglieder des Einsatznachsorgeteams und der Notfallseelsorge sowie Seelsorger/ innen.

Musikalisch wurde der Gedenkgottesdienst begleitet vom Blechbläserquintett des Landespolizeiorchesters. Der Innenminister verlas die Namen von fünfzehn Polizisten, einem Rettungssanitäter und siebenundzwanzig Feuerwehrmännern und -frauen – für jede/n Verstorbene/n wurde durch drei Seelsorger eine Kerze entzündet. Schwebend verhalte abschließend der Klang eines Saxophons durch die Weite der von einer hohen Kuppel überwölbten Kirche.

Im Anschluss an den bewegenden Gottesdienst waren die Gäste zu Begegnung und Gespräch bei Kaffee und Kuchen in das Seitenschiff der Nikolaikirche eingeladen – viele folgten dieser.

Ebenfalls in Tradition mit diesem Tag verbunden ist das alljährliche Herbstseminar des ENT Brandenburg. Daher trafen sich Vormittag insgesamt achtzehn Mitglieder und Aspirant*innen des ENT sowie an der Arbeit Interessierte in der Feuerwache der Berufsfeuerwehr Potsdam.

Anfangs veranschaulichte ein Moment des Erinnerns an eigene Erfahrungen und Gefühle, die sich mit dem Tag des Mauerfalls verbinden, den Teilnehmenden, dass sie immer als Menschen mit einer eigenen Geschichte in den Kontakt mit den Einsatzkräften gehen. Daher ist stetig eine hohe Aufmerksamkeit für das Eigene einzuüben, als eine wichtige Voraussetzung, gut im Kontakt mit anderen sein zu können.

In der statistischen Auswertung der bisher im laufenden Jahr geleisteten Nachsorgeeinsätze wurde deutlich, dass sowohl räumlich als auch zeitlich z.T. hohe Intensitäten wahrzunehmen waren. Um sowohl personelle Überforderung von ENT-Kolleg*innen zu vermeiden als auch in der erforderlichen Strukturqualität für die Einsatzkräfte dasein zu können gilt es Prozesse der ENT-Einsatzkoordination sowie der Abstimmung mit den Gesprächsleitenden immer wieder zu überprüfen und ggf. weiter zu entwickeln. Ebenso waren z.T. auch emotional schwierige bzw. thematisch-komplexe Anforderungssituationen Gegenstand durchgeführter Nachsorgemaßnahmen. Darauf Bezug nehmend wurde noch einmal die Hilfestellung von Supervision zur persönlichen Klärung von Unsicherheiten, offenen Fragen usw. angesprochen und auf die mittelbare Wirkung einer persönlichen Qualifizierung hingewiesen.

„Professionelles Feedback“ war das Thema, zu dem der Dipl.-Psychologe Mario Gruschinske referierte. Er verdeutlichte die professionelle Grundhaltung, die klar zwischen Person und Rolle unterscheidet und erst damit ermöglicht, aus einer professionellen Perspektive heraus mit eine konstruktiv-positiv formulierten Rückmeldung auf den Lernfortschritt des Gegenüber zu zielen.

Entscheidend ist das gemeinsame Verständnis, dass die am Feedback Beteiligten je für sich selbst Verantwortung haben und für das Gesagte die Verantwortung übernehmen.

 

Tag der offenen Tür in der Feuerwehr Potsdam

Es ist eine gute Tradition, dass sich zum Tag der offenen Tür der Berufsfeuerwehr Potsdam, dieses Jahr am 07. September, auch viele Hilfsorganisationen, das kommunale Ordnungsamt oder die Polizei präsentieren können. Gleichfalls sind zahlreiche Freiwilligen Feuerwehren der Landeshauptstadt sowie die Notfallseelsorge Potsdam je mit einem eigenen Stand vertreten. Am letzteren konnten sich die Gäste auch über die Einsatznachsorge informieren.

Auch wenn der Notfallseelsorge immer etwas Schwieriges, Tragisches anhaftet, konnten doch bei einigen Besuchern erste Berührungsängste abgebaut werden. Der gemeinsame Stand wurde gut frequentiert. Die Gäste interessierten sich für die Arbeitsweisen, erfragten die Alarmierungsketten und wie die Einsatzkräfte selber ihre Einsätze verarbeiten. Es gab auch mehrere Besucher, die einfach nur an den Stand kamen und den Einsatzkräften der Notfallseelsorge und des Einsatznachsorgeteam für die geleistete Arbeit dankten. Das war einfach schön zu erleben.

Sommerseminar 2019 des ENT Brandenburg

 

Am ersten Septemberwochenende trafen sich 10 ENT-Mitglieder am Störitzsee.

Der Freitag begann mit einer Info über die Neuigkeiten in der Psychosozialen Notfallversorgung und der Vorstellung der zahlreichen unterschiedlichen Einsätze seit dem Frühjahrsseminar im März. In diesem Jahr hat das ENT bereits 45 Einsatzaktivitäten für Kameraden und Kollegen geleistet. Ebenso wurden Ausbildungs- und Informationstermine auf dem Niveau der Vorjahre sichergestellt als auch die Öffentlichkeitsarbeit vorangetrieben.

Wesentlicher Bestandteil der Sommerseminare sind immer die Übungsmöglichkeiten zur strukturierten Reflexion und Vertiefung des bisher Gelernten und bereits Angewendeten.

Ein beschriebenes Unfallszenarios einer Freiwilligen Feuerwehr stellte dieses Mal den vorgegebenen Einsatzrahmen für ein Übungsdebriefing dar.

In der Einsatznachbegleitung sind Einzelgespräch ein gleichwertig wichtiges methodisches Instrumentarium, das anstelle eines Gruppengespräches oder zeitlich begrenzt parallel dazu und vor allem während eines gemeinsamen Imbiss´ Anwendung findet.

Hier wurde ein Übungssituation mit einer Sanitäterin des Katastrophenschutzes inszeniert: Ein relativ unspektektakulär erscheinender Einsatz bewirkten bei der Einsatzkraft unerwarteten Reaktionen und  eine schwere persönlicher Verunsicherung. Im Übungsgespräch wurde herausgearbeitet, dass diese Jahre zuvor  bereits ein für sie belastendes Ereignis erlebte. Das aktuelle Geschehnis löste eine emotionale Erinnerung daran und erneut Reaktionen darauf aus, die für die Einsatzkraft weder in einem Verhältnis zum aktuellen Geschehnis standen noch in einem inhaltlichen Zusammenhang dazu verstanden werden konnten.

Die Nutzung der Anlage Störitzland bot ein weiteres Mal einen angenehmen Rahmen in landschaftlich schöner Kulisse, um engagiert gemeinsam zu Arbeiten und auch das Element des „gemütlichen Beisammenseins“ keinesfalls zu kurz kommen zu lassen.

Weiterentwicklung von PSNV-Regelstrukturen

Am 18. Juli 2019 war der Brandenburger Innenminister Karl-Heinz Schröter auf Einladung des Eisenhüttenstädter Bürgermeister Frank Balzer zu einem Podiumsgespräch eingeladen.

Ausgehend vom Veranstaltungsthema „Wie weiter mit der Sicherheit in der Region?“ wurde auf Anregung der SPD-Landtagsabgeordneten Christiane Barcikowski auch der gegenwärtige Stand des Katastrophenschutzes im Landkreis Oder-Spree besprochen.

In Anbetracht eines kürzlichen großen Waldbrand in unmittelbarer Nähe wurde über vergleichbare  Szenarien, insbesondere unter Berücksichtigung von sich wiederholenden langanhaltenden Dürrephasen gesprochen. Der Innenminister umriss die realisierten und schon geplanten Weiterentwicklungen im landesweiten Katastrophenschutz.

Die Fachliche Leiterin des Brandenburger Einsatznachsorgeteams (ENT) lenkte in einem eigenen Redebeitrag den Blick auf die fachliche Notwendigkeit der strukturellen Weiterentwicklung der Psychosozialen Notfallversorgung (PSNV) im Land Brandenburg. Entsprechend den Leitlinien des Bundesamt für Bevölkerungs- und Katastrophenschutz (BBK) ist auf Landesebene eine Landeszentralstelle PSNV einzurichten. Deren Hauptaufgabe wäre u.a. die Koordination der lokalen, meist ehrenamtlich organisierten PSNV-Netzwerke und auch die Vernetzung auf Bundesebene.

Dazu gehören ebenso die Ausbildung von Führungskräften der PSNV, die Qualitätssicherung und insgesamt die Sorge um eine auch im Schadenfall gut funktionierenden Psychosozialen Notfallversorgung (PSNV-B und PSNV-E) mit dem Ziel einer höchstmöglichen Eingrenzung von gesundheitlichen Beeinträchtigungen in Einsatzlagen bei der Bevölkerung und bei Einsatzkräften.

Erfahrungen aus Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen zeigen, dass eine strukturelle Anbindung der Landeszentralstelle und hauptamtliche Besetzung sich im Kontext der Landesinnenministerien bewährt haben.

 

Der Innenminister dankte für diesen Impuls. Zugleich zeigte er angesichts der anstehenden Landtagswahl auf, dass dieses Anliegen erst in der nächsten Legislaturperiode im Ressort weiter verfolgt werden kann.

An der Veranstaltung in Eisenhüttenstadt, die sich im weiteren Verlauf den zahlreichen Fragen von Abgeordneten der Stadtverordnetenversammlung und interessierten Bürgerinnen widmete, nahmen vom ENT auch drei weitere KollegInnen teil.

20 Jahre Einsatznachsorge in Brandenburg – zwei Einsätze am Jubiläumstag

Seit dem 1. April 1999 steht das Einsatznachsorgeteam des Landes Brandenburg für Einsatzkräfte zur Verfügung. Kamerad*innen und Kolleg*innen der Feuerwehren, von Rettungsdiensten, der Polizei usw. können  nach Einsätzen, die mit emotional erheblich belastenden Momenten verbunden waren, uns zu Nachsorgegespräche anfordern.

Ebenso lange werden auch Präventionsmaßnahmen durchgeführt, in denen den Beteiligten die möglichen Reaktionen von Körper, Geist und Seele auf schwierige Einsatzsituationen erklärt und verschiedenen Handlungsstrategien vorgestellt werden.

Am 20. Jubiläumstag des Teams, das einst von der Psychologin Susanne Deimling und Pfarrer Peter Sachse initiiert worden war, gab es anstatt Sekt und Häppchen zwei Einsätze für betroffene Kameraden und Kollegen vor Ort:

Im Landkreis Spree-Neiße hatten Kameraden nach einem Brand mit einer verstorbenen Person, die zu bergen war, um ein Gespräch gebeten. Zeitgleich fand im Landkreis Potsdam-Mittelmark ein Gespräch mit Feuerwehrkameraden statt. Diese waren nach einem schweren LKW-Unfall im Einsatz, wo für den Fahrer jede Hilfe zu spät kam.

Der erleichterte Dank und die durchweg positive Resonanz der Kameraden vor Ort wogen für uns schwerer als jede Sektrunde. Trotzdem sind zwei Jahrzehnte des Bestehens Grund genug, dankbar inne zu halten und mit ein wenig Stolz auf das gemeinsam Erreichte zu blicken!

 

Mai
8
Fr
2020
ganztägig Jahrestagung des SbE in Witten
Jahrestagung des SbE in Witten
Mai 8 – Mai 10 ganztägig
Mehr Infos siehe auch http://www.sbe-ev.de/index.php/fr/
Jun
13
Sa
2020
ganztägig 13.06.2020: Teil 1, Grundlagense...
13.06.2020: Teil 1, Grundlagense...
Jun 13 ganztägig
Teil 1, Grundlagenseminar in Cottbus, Anmeldung über: https://www.ukbb.de/seminare/seminarangebot/feuerwehr/stressbewaeltigung-nach-belastenden-einsaetzen-bei-der-feuerwehr-grundlagenseminar-fwstr-710/