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Frühjahrstreffen des Einsatznachsorgeteams Brandenburg

Das ursprünglich für drei Tage geplante Frühjahrstreffen 2021 des Einsatznachsorgeteams Brandenburg konnte in diesem Jahr nicht wie gewohnt stattfinden. Die Arbeit geht weiter. Wichtige Themen mussten besprochen werden, rückblickend auf vergangene Entwicklungen und Einsätze und in die Zukunft. Wie entwickeln wir uns weiter? Welche Veränderungen stehen bevor? Was liegt da näher, als der Schritt zur Videokonferenz, einem uns allen inzwischen schon vertrauten Mittel. Das Medium ist über 5 Stunden zwar kein Ersatz für ein persönliches Treffen, lässt die persönliche Nähe und Vertrautheit vermissen. Es ist aber geeignet bestimmte Themen zu diskutieren und Mitglieder über aktuelle Entwicklungen zu informieren.

 

Ulf Steinert im ENT-Onlinemeeting mit Jörg Reichert. Foto: Steinert

Das ENT kann gegenwärtig auf die Unterstützung von 26 aktiven Mitgliedern zurückgreifen. Diese stammen sowohl aus den Blaulichtorganisationen, als auch dem zivilen Bereich. Ein weiterer Mitgliederzuwachs ist wünschenswert. Unsere Mitglieder müssen keinen polizeilichen Hintergrund haben oder aus der Feuerwehr stammen. Dennoch ist es vorteilhaft, wenn im Einsatz einer im Team die jeweilige Sprache spricht.

In jedem Falle streben wir eine verstärkte Werbung geeigneter Mitglieder an. Aufgrund der aktuellen Mitgliederstruktur des ENT liegt der Schwerpunkt bei den in Feuerwehren und dem Rettungsdienst.

So ist das ENT fachlich breiter aufgestellt und deckt weitere Räume ab. Somit können Anfahrtswege im Einsatzfall verkürzt und der Einsatzort schneller erreicht werden. Das spielt in einem Flächenland, wie Brandenburg, eine nicht unbedeutende Rolle.

 

Vor dem Hintergrund der Einarbeitung neuer Mitglieder gab es einen interessanten Austausch über die Mentorate. Neue ENT-Mitglieder sollen zu Beginn ihrer Mitgliedschaft eine enge Betreuung durch einen erfahrenen Mentor oder erfahrene Mentorin erfahren, der/die ihnen grundsätzliche Dinge nahebringen kann und jederzeit zur Verfügung steht.

 

Wir gewinnen durch unsere Einsätze an Bekanntheit und Akzeptanz und haben uns entschieden, zusätzlich die Öffentlichkeitsarbeit auszubauen. Hierzu wurde eine Arbeitsgruppe innerhalb des ENT gebildet. Themen sind die Durchführung öffentlichkeitswirksamer Veranstaltungen und Schulungen, aber auch Social Media und Internet sowie der Umgang mit der Presse.

Alles soll aus einem Guss sein und ein klares Bild vermitteln.

 

Weiterhin besprachen wir fachliche Themen. Ein wichtiger Tagesordnungspunkt, die veränderte Lage vor Ort, was nun?“ –  Information und Austausch zum Umgang mit Diskrepanzen zwischen Anforderung und Realität.

Trotz gründlicher Vorbereitung tritt häufig der Fall ein, dass sich die Nachbesprechungssituation vor Ort inhaltlich, personell oder von anderen Rahmenbedingungen her ganz anders darstellt als vorher bekannt gewesen oder abgesprochen. Die Herausforderung besteht dann darin, theoretische Grundsatzüberlegungen durch adäquate, kreative Kompromisse soweit in Einklang zu bringen, dass ein möglichst weitgehendes Hilfsangebot an die anfordernden Einsatzkräfte realisiert werden kann. Hier ist Flexibilität gefragt. Es sind einige Fälle aus der zurückliegenden Zeit vorgestellt und besprochen worden.

 

Ein weiterer Punkt hat sich mit der eigenen Psychohygiene befasst. Wie gehen wir Mitglieder eigentlich mit dem im Einsatz Erlebten um? Benötigen auch wir manchmal Hilfe, nachdem wir Hilfe geleistet haben? Wir streben eine Kultur der eigenverantwortlichen Bedarfsanmeldung an. Einzelsupervisionen sollen (relativ) kurzfristig realisierbar sein. Gruppensupervisionen sollen ein fest integrierter Bestandteil der ENT- Kultur sein. Hierbei soll der/die Supervisorin aus dem externen Umfeld außerhalb des ENT stammen.

 

Ein wichtiges Thema unserer Treffen ist das gegenseitige Kennenlernen. Das Vertrauen und die Kenntnis von Stärken und Schwächen spielen neben fachlichen Aspekten eine große Rolle bei der Einsatzbewältigung. Im Rahmen einer Videokonferenz sind hier zwar Grenzen gesetzt.  Vielleicht ist es ein Auftakt oder eine Ermutigung, dieses Format für persönliche Runden häufiger im ENT anzuwenden.

 

Solltest Du Interesse an der Arbeit des ENT oder gar an einer Mitgliedschaft haben, melde Dich bei uns. Wir freuen uns über dein Interesse und eine eventuell zukünftige Mitgliedschaft.

Hilfe für die Helfer (Zeitung der Polizei Brandenburg INFO 110, 2/20)

Hier finden Sie den Artikel  im PDF-Format:

Der Weg des ENT

ENT-Herbstseminar im „Covid-Modus“. Foto: Peter Frank

Das Herbsttreffen des ENT war geprägt durch die Einhaltung strikter hygienischer Rahmenbedingungen. Der Schutz der Gesundheit der Mitglieder und somit der Erhalt der Einsatzfähigkeit des ENT ist ebenso wichtig, wie ein regelmäßiger Informations- und Erfahrungsaustausch oder persönliche Begegnungen.

Den ersten und größten TOP bildete der Anbindungsprozess des ENT an die Strukturen des Brand- und Katastrophenschutzes und der PSNV des Landes. Hierzu konnten wir Herrn Dr. Dietel, Leiter des Referats 34 im MIK, und Frau Germer, Direktorin des Zentraldienstes der Polizei, in unserer Mitte begrüßen. So sollte durch Information aus erster Hand und der Möglichkeit, Fragen zu stellen, größtmögliche Transparenz zu dem Prozess hergestellt werden.

Nach aktuellem Stand wird die Fachaufsicht durch das MIK, Referat 34 und die organisatorische/administrative Anbindung durch den Zentraldienst der Polizei (ZDPol) gewährleistet werden.

Eine Aufwertung soll das ENT auch z.B. durch die Ausübung im Nebenamt (Mitglieder aus dem öffentlichen Dienst, wie z.B. Polizei), eine feste Koordinatorenstelle beim ZDPol (Polizeiärztlicher Dienst), die Aufwandsentschädigung für das Ehrenamt und Mitfahrgelegenheiten in Dienstfahrzeugen erfahren. Dies ist in Prüfung.

Die Sachkosten des ENT sind erstmalig im Landeshaushalt 2021 beantragt und erwarten die Zustimmung des Parlaments. Dies steht für die hohe Zielstrebigkeit des MIK zur nachhaltigen Absicherung der Einsatznachsorge im Land.

Mit herzlichem Dank für das offene Gespräch wurden Frau Germer und Dr. Dietel aus dem Kreis des ENT verabschiedet.

Frau Germer, Zentraldienst der Polizei.
Foto: Peter Frank

Den aufgrund der pandemischen Situation abgesagten Blaulicht-Gottesdienst mit Gedenken an die im vergangenen Jahr verstorbenen Einsatzkräfte in der Nikolaikirche Potsdam feierten die anwesenden ENT-Mitglieder mit der Entzündung von Kerzen und einer Schweigeminute.

Erstmals wurde der durch das Team gewünschte „Ritterschlag“ zur Einsatzkraft des ENT für vier Mitglieder durch Überreichung des ENT-Namensschildes und eines Blumenstraußes durchgeführt. Beate Wolf, Mechtild Michalski, Britta Muche, Anita Nicko (nicht anwesend) und Ulf Steinert sind nun ausgebildet und gewappnet, für die Einsatzkräfte des Landes Bb ihre Unterstützung zu geben! Herzlichen Glückwunsch!

Neue Einsatzkraft im ENT: Beate Wolf. Foto: Peter Frank

Weitere Blumen gab es als Dank für ihren Einsatz an drei weitere Mitglieder: Jörg Reichert für sein Wirken als Koordinator des Teams, Elke Hinze für ihre administrativen Tätigkeiten bei der Sachmittelverwendung und Peter Frank für seine vielen Einsätze als Gesprächsleiter und Teamfotograf.

„Suizid eines Kollegen“ war im ENT Bb in diesem Jahr das häufigste Einsatzstichwort. Dieses Thema stellt besondere fachliche Herausforderungen an die jeweiligen Gesprächsleiter*innen und Peers und erfordert zugleich ein Höchstmaß an Aufmerksamkeit für die emotionalen Prozesse in der Gruppe der Teilnehmer.

Bereits Ende Oktober trafen sich mehrere Teammitglieder, um einen Einsatz in einer Fallbesprechung zu reflektieren. Für die Leitung des ENT Anlässe genug, auch beim Herbsttreffen eine inhaltlich-fachliche Nachbereitung anzuleiten. Die hierin dargelegten Erfahrungen fordern eindeutig die Notwendigkeit einer klaren Rollenverteilung im handelnden Team von der verantwortlichen Übernahme des Einsatzes bis zum Auswertungsgespräch danach.

Dass in diesem Fall drei Psychosoziale Fachkräfte in unterschiedlichen Rollen eingesetzt waren, konnte als Ressource für den Prozess genutzt werden.

Die Frage nach dem „WARUM?!“ der Tat treibt Hinterbliebene, Angehörige, Kolleginnen, Freunde u.a. oft um. Damit einher geht auch die Suche nach der eigenen Wirksamkeit: „Vielleicht hätte ich es doch verhindern können?“. Das Bewusstwerden und Ansprechen der hier zugrundeliegenden Hilflosigkeit und Ohnmacht kann dazu beitragen, das Gewicht der nicht mehr zu beantwortenden Fragen zu mindern. Gleichzeitig wurde gemeinsam der Respekt vor der Entscheidung der sich selbst tötenden, gleichwohl mündigen Person als Möglichkeit der Distanzierung herausgearbeitet.

Den Abschluss des Treffens bildete die Konstituierung einer eigenständigen Arbeitsgruppe Öffentlichkeitsarbeit. Sie wird sich in enger Abstimmung mit der fachlichen Leitung um Themen wie Flyer, Website, Aussteller, Streumittel usw. kümmern.

Mit gegenseitigem Dank für die Zusammenkunft und das Miteinander unter den Hygienebedingungen verabschiedeten sich die Teammitglieder nach vier Stunden voneinander.

 

Sommerseminar des Einsatz-Nachsorge-Teams Brandenburg 2020 im Störitzland

Abendstimmung beim ENT-Sommerseminar am Störitzsee. Bild: Peter Frank

 

Wird unser Sommerseminar in der Corona Zeit stattfinden können? Wie wird die Stimmung sein, nachdem sich die Leitung in einer Position seit März verändert hat? Werden wir uns als Team unter den neuen Bedingungen sachlich und kameradschaftlich inhaltlichen Dingen zuwenden können?
Fragen die vorab zahlreiche ENT-Mitglieder beschäftigten und deren Beantwortung am Ende doch recht einhellig ausfiel:

Ja, es ist ein inhaltlich / methodisch neues und zwischenmenschlich anderes Seminar geworden und konnte von Anwesenden als bereichernd erlebt werden!

Die vorbereiteten Flipcharts zum Ablauf des Seminars deutete auf die Absicht der Leitung hin, das neue Miteinander im gesamten Team transparent zu gestalten.

Die insgesamt dreieinhalb-stündige (!) Vorstellungsrunde bereitete mit der gegenseitig gezeigten Offenheit und einander mitgeteilten persönlichen Einblicken ein gutes Fundament für das kommende Seminar.

Der neuer Fachliche Leiter, Matthias Mehlhorn, stellte nachvollziehbar dar, wie es zu diesem Personal-Wechsel innerhalb der Leitung im März kam. Als wertvoll wurden  insbesondere die wertschätzenden Rückmeldungen aus dem Team zu jedem anwesenden Teammitglied erlebt.

Im letzten Infobrief der neuen Leitung wurde angekündigt, dass das Brandenburger Ministerium des Innern und für Kommunales (MIK) bis zum Jahresende 2020 im Rahmen der Neugestaltung des Gesetzes über den Brandschutz, die Hilfeleistung und den Katastrophenschutz des Landes Brandenburg (Brandenburgisches Brand- und Katastrophenschutzgesetz – BbgBKG) eine Einbettung des ENT BB in die Struktur der Landesbehörden als „Landesregieeinheit“ entwickelt. Dadurch solle dem ENT eine gesetzliche Struktur- und Prozessbeschreibung gegeben werden, die wir in Teilen selbst mitgestalten können. Nachdem M. Mehlhorn das mit einigen Worten ausgeführt hatte, entstanden eine Vielzahl von Ideen und Gedanken, die von den Mitgliedern des Seminars mit eingebracht wurden. In verschiedenen Wortmeldungen der ENT-Mitglieder wurde deutlich, wie wichtig es ist, dass von Seiten der Politiker nicht nur Gesetze und Verordnungen über das ENT erlassen werden, sondern unsere professionellen Erfahrungen sachkundig einbezogen werden sollen.

Der erste Seminartag war nach diesen inhaltlichen „Schwergewichten“ bereits zeitlich weit vorangeschritten. Eine kurze Pause für individuelle Freizeitgestaltung oder das Vorbereiten des Abendessens leitete zum verdienten Feierabend über.

Traditionell wurde zum Tagesabschluss wieder gegrillt; ein stimmungsvoller Abend, untermalt mit einem malerischen Sonnenuntergang über dem Störitzsee.

Der Tag 2 des Sommerseminars begann mit der Klärung noch offener Fragen vom Vortag, bevor das Arbeiten zum einzigen methodisch-fachlichen Thema der Zusammenkunft kam: Einzelgespräche. Methodisch gut vorbereitet waren 3 verschiedene Szenarien zu absolvieren, wie sie in ähnlicher Weise tatsächlich von einigen Mitgliedern durchgeführt wurden.  Gebildet wurden vier 3-er-Gruppen, so dass zu jedem der 3 Fallbeispiele jedes ENT-Mitglied mal Gesprächsleiter/-in, Betroffene(r) beziehungsweise Beobachter/-in war.

Die gemeinsame Auswertung der persönlichen Übungserfahrungen nach jeder Runde brachte sehr spannende Betrachtungsweisen und neue Lernerkenntnisse zu Tage.

Da ein Wechsel innerhalb der ENT-Leitung auch öffentlich erkennbar sein sollte, wurden noch Hunderte neue Broschüren des LFV zur PSNV im Feuerwehrdienst mit der aktualisierten Erreichbarkeit unseres fachlichen Leiters versehen.

Müde, aber um viele Erfahrungen reicher und mit großer Wertschätzung untereinander, verabschiedeten sich alle am Nachmittag voneinander, um die Heimreise anzutreten.

Peter Frank

(Mitglied im ENT-BB)

BER – eine neue Herausforderung für das Einsatz NachsorgeTeam Brandenburg

ENT-Mitglieder besichtigen ein Einsatzgerät der Flughafenfeuerwehr BER. Bild: Jürgen Wildemann

Seit mittlerweile 9 Jahren wartet der neue „Flughafen Berlin-Brandenburg“ (FBB) in Schönefeld auf seine Eröffnung. Am 31.Oktober 2020 soll es nun soweit sein!
Was passiert dort gerade? Wie ist der Stand der Dinge? Und was hat das ENT-BB mit dem neuen Flughafen zu tun?
Auf Einladung der BER-Notfallmanagerin Saskia Schuchardt machten sich am Morgen des 04. August 2020 neun Mitglieder des ENT Brandenburg auf den Weg nach Schönefeld. BER steht für die zukünftige internationale Kennung des neuen Flughafens der Hauptstadtregion.
Durch die zukünftige Schließung des Flughafens Tegel (TXL) verlagert sich der gesamte Flugverkehr von Berlin in das Land Brandenburg. Das bedeutet zugleich, dass ein neuer Schwerpunkt der psychosozialen Begleitung von Einsatzkräften für das ENT Brandenburg entsteht.
Einleitend vermittelten Frau Schuchardt und die beiden Kollegen Andre´ Worm (Leiter Einsatzbetrieb) und Oliver Nopper (SG-Ltr. Einsatz und Organisation) der Flughafenfeuerwehr einen inhaltlichen Überblick zu den relevanten Aufgaben:
Wie funktioniert das Notfallmanagement im Einsatzgeschehen? Wie baut sich die Flughafenfeuerwehr auf und wie ist sie mit den anderen Komponenten des Airports verbunden? Wo befinden sich die drei Feuerwehr-Stützpunkte, von denen aus nach internationalen Standards jeder Punkt des BER innerhalb von 180 sec durch die ersten Brandbekämpfer erreicht werden muss? Welche technischen Voraussetzungen stehen den Kamerad*innen im Einsatz zur Verfügung?
Der Einladung, das riesige Gelände und die einzelnen Feuerwehr-Stützpunkte einmal selbst kennen zu lernen, zu sehen, wo die Kameraden der Wehr an ausgedienten Flugzeugen und speziellen Modellen üben, welche Technik wo zur Verfügung steht, entsprachen die ENT-Kolleg*innen gern.
Nach einem ausführlichen Sicherheitscheck standen die Gäste bald voll Respekt vor einem riesigen Flugfeldlöschfahrzeug, sogar mit dem Angebot, sich einmal hineinzu-setzen und lauschten mit Interesse den Vor-Ort-Erläuterungen zur hochmodernen Einsatztechnik. Die ebenso gezeigten Räumlichkeiten der Notfallzentrale wurden erst wenige Stunden zuvor ihrer Bestimmung übergeben.
Mit einem dankbaren Gefühl, dass man die Möglichkeit bekommen hatte, sich persönlich sowie die jeweils andere Arbeitsweise kennengelernt zu haben, verabschiedeten sich alle nach vier sehr interessanten Stunden voneinander.
Obwohl alle Beteiligen dieser Begegnung hoffen, dass es nie zu einem ernsthaften Unglück auf den Flughafengelände kommen wird, steht das ENT allen dort arbeitenden Einsatzkräften vor allem präventiv zur Seite und unterstützt nach einem Ernstfall beim Umgang mit den belastenden Eindrücken und Erfahrungen.

Von Peter Frank (ENT-Mitglied)

Anerkennung für geleistete Arbeit

Auf Einladung der Leitung der Polizeidirektion (PD) West, Herrn Schiewe und Herrn Mutschischk, fand am 04. Juni 2020 auf einem Schiff der Wasserschutzpolizei ein Treffen mit Kolleginnen und Kollegen des Brandenburger Einsatz-Nachsorge-Teams statt. Neben dem Fachlichen Leiter des ENT, Matthias Mehlhorn, und der Landespolizeipfarrerin, Beate Wolf, nahmen auch die in dieser PD ihren Dienst verrichtenden Polizeiangehörigen und ENT-Mitglieder Manuala Höbler, Jürgen Wildemann, Roland Lange teil. Gegenstand der mehrstündigen Gesprächsrunde waren neben dem Dank für die geleistete Einsatznachsorge sowie vor allem die Frage, wie das ENT und die PD West noch effektiver zusammen agieren können.

Gleichwohl die Einsatznachsorge im Zusammenhang mit belastenden Einsatzsituationen bereits fest im Rahmen der Hilfs- und Betreuungsangebote verankert ist, haben die in offener Atmosphäre geführten Gespräche viele Ansatzpunkte für ein gemeinsames weiteres Vorgehen geliefert.
Entstanden sind dabei nicht nur Ideen, sondern bereits konkrete Vorhaben:
Die Möglichkeiten des ENT in der Einsatznachsorge und in der Prävention sollen dabei insbesondere den entsprechenden Führungskräften nochmals ausführlicher vorgestellt werden.
Vor allem jungen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die erstmalig den Dienst in dieser PD aufnehmen, soll bereits im Rahmen der Begrüßungsveranstaltungen das ENT vorgestellt werden. Auch wird dem ENT Platz in der Begrüßungsbroschüre der PD eingeräumt werden.
Für den Kriminaldauerdienst wird gemeinsam ein Präferenz-Schulungstag vorbereitet, der schwerpunktmäßig auf den Umgang mit belastenden Situationen im Rahmen von Todesermittlungen abstellen wird. Neben Fragen des Umgangs mit dem Tod und den Toten in den unterschiedlichen Kulturkreisen und Religionen sollen dabei auch vor allem Fragen der Selbstprävention und der Trauerarbeit in den Fokus gerückt werden. Hierzu werden die finanziellen Möglichkeiten auch für die Einbindung externer Referenten durch die PD West ausgelotet.
Professionelle Einsatznachsorge für die eigenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter steht unzweifelhaft im Interesse der PD West. Unstrittig sind dafür nicht nur qualifizierte, sondern auch ein zahlenmäßiger Zuwachs von Angehörige des ENT notwendig. Die PD West wird insofern Maßnahmen unterstützen, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für eine Mitarbeit im ENT zu begeistern.

Der Einstieg ist das Entscheidende – Kinder und Jugendliche in Nachsorgemaßnahmen

Kinder und Jugendliche in Notfallsituationen rufen bei Einsatzkräften eine besondere Betroffenheit hervor. Einerseits wird hier der natürliche Schutzinstinkt aufgerufen, verstärkt ggf. durch Erinnerungen aus der eigenen Kindheit sowie Erfahrungen eigener Elternschaft. Anderseits gilt es jedoch auch die Unabänderlichkeit eines Unglücks zu realisieren, die häufig die Sinnfrage in der Einsatzkraft aufruft.

Prof. Dr. Harald Karutz, MSH Medical School Hamburg. Bild: Peter Frank

Prof. Dr. Harald Karutz von der MSH Medical School Hamburg führte als Referent den 19 ENT-Mitgliedern und Interessierten am Montag (09.03.2020) in die komplexen Herausforderungen einer Einsatzlage mit Kindern und Jugendlichen ein.

Am zweiten Tag des Frühjahrsseminars an der LSTE ergänzten das bisher Vorgetragene Überlegungen zu Gruppengesprächen mit Kindern und Jugendlichen. Fazit: Es gibt nicht das eine Gesprächsangebot, es stehen stattdessen zu verschiedenen Zeitpunkten unterschiedliche Varianten für die differenten Zielgruppen zur Verfügung und sollten als Auswahlmöglichkeit Berücksichtigung finden. Wichtig bleibt jedoch, einen Einstieg für ein Gruppengespräch zu finden, der eine Beziehung zu den teilnehmenden Kindern und Jugendlichen aufbaut, einer Bereitschaft für ein Gespräch über das Erlebte den Weg ebnet.

Historische Steuerungstechnik der Zwillingsschachtschleuse Eisenhüttenstadt. Bild: Peter Frank

Eine willkommene Abwechslung für Geist und Körper ermöglichte den Seminarteilnehmenden eine Exkursion in die Zwillingsschachtschleuse der Stadt Eisenhüttenstadt. Der Bau aus den 20-ger Jahren des vorigen Jahrhunderts ist nicht nur eine technische Meisterleistung, sondern beeindruckt als Anlage zugleich durch die hochwertige Gestaltung bis in kleinste Details hinein, die sich konsequent an der Ästhetik eines Schiffes der damaligen Zeit orientiert.

Zum Abschluss seiner Ausführungen stellte Prof. Karutz noch erste Forschungsergebnisse einer Studie zur „Psychosoziale Notfallversorgung für Kinder und Jugendlichen in komplexen Gefahren- und Schadenslagen“ vor. Im Ergebnis kann das Frühjahrsseminar 2020 des ENT Brandenburg als ein weiterer Baustein der notwendigen Entwicklung einer entsprechenden fachlichen Expertise bei Einsatzkräften angesehen werden. Eine inhaltliche und strukturelle Einbindung des erworbenen Know-hows in bestehende Ressourcen der Landes-PSNV gilt es nachfolgend noch zu erbringen.

Zum Tagesausklang fanden sich alle ENT-KollegInnen in der liebevoll restaurierten Gaststätte „Aktivist“ ein, die bereits zu DDR-Zeiten ein geschätzter Treffpunkt der Stadt war.

Am Mittwoch, den 11.03., stand eine Rollenspiel-Übung im Zentrum der inhaltlichen Seminararbeit. Inhaltlich bezogen auf die ersten Seminartage stand hier ein Nachsorgegespräch mit Teilnehmern einer Jugendwehr im Mittelpunkt der Übung.

Vorbereitung auf das Rollenspiel. Bild: Peter Frank

Die Herausforderung bestand zunächst darin, die verschiedenen Bedarfe von Einsatzkräften und Jugendwehr zu identifizieren und geeignete Maßnahmen zu umreißen. Danach galt es die Jugendlichen unterstützende Personen zu benennen und methodisch in das angepasste Gesprächsformat einzubinden. Die ausführliche Auswertung zielte auf eine verstehende Rückbindung des erlebten Übungsgeschehens zum inhaltlichen Input der ersten beiden Fortbildungstage.

Mit einer gemeinsamen Auswertung der Fortbildung und dem Hinweis auf das Sommerseminar am Störitzsee vom 28. bis 29. August 2020 wurden die interessanten Ausbildungstage beendet.

Ehrung von Einsatzkräften in der Staatskanzlei Potsdam

Ministerpräsident Woidtke während persönlicher Ansprache auf der Ehrung. Bild: Staatskanzlei Potsdam

Tischrunde um Innenminister Stübgen mit Vertretern der Freiwilligen Feuerwehr, DLRG, ENT BB, Opferhilfe „Weißer Ring“ und Presse. Bild: Staatskanzlei Potsdam

Einsatznachsorge anstatt Sorgen nach dem Einsatz

Auch im Jahr 2019 gab es viel Arbeit für die ENT-ler in den Reihen der Polizei, den Feuerwehren und beim Rettungsdienst. Ca. 90 Veranstaltungen verschiedenster Art wurden von den Ehrenamtlern in 2019 bestritten.

ENT 2020: Insgesamt 59 mal wurde im vergangenen Jahr das ENT (EinsatzNachsorgeTeam des Landes Brandenburg) aufgrund der (Für)-Sorge von Führungskräften oder Kollegen um die Gesundheit von Einsatzkräften nach Einsätzen mit extremen Belastungen angefordert. Hiervon fanden für die Polizei 17 Nachsorgeveranstaltungen statt.
Das dies ein Ausdruck der Stück für Stück erkennbaren Entwicklung einer Fürsorgekultur im Land Brandenburg ist, steht außerfrage, denn in der Polizei entspricht dieser Trend dem Auftrag der psychosozialen Unterstützung (PSU) gem. PDV 100 und Leitfaden 150.
Neben der Einsatznachsorge für betroffene Einsatzkräfte wurden im Jahr 2019 durch das ENT BB auch 25 Präventionsveranstaltungen (Schulungen/Info-Abende/Fortbildungen) sowie 6 Veranstaltungen an Tagen der offenen Tür (z.B. bei der Polizei, der Feuerwehr oder dem THW) durchgeführt. Diese Präventionsveranstaltungen, welche die Einsatzkräfte für potentiell belastende Situationen sensibilisieren und aufrüsten, sind zunehmend gefragt und mittlerweile auch als fester Baustein in das Fürsorgesystem des Dienstherren integriert.
Die Mitglieder des ENT BB sind sozial engagierte Einsatzkräfte, Sozialpädagogen oder Psychologen, denen die Gesundheit der Kollegen in den Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS) am Herzen liegt. Die Arbeit erfolgt ehrenamtlich. Mehrmals im Jahr finden Fortbildungen statt, um die Fachkräfte und Peers (Kollegen für Kollegen) zu qualifizieren. Beamte werden dafür vom Dienst freigestellt. Die Einsätze für das ENT bestehen aus Einzel- und Gruppengesprächen im Anschluss an belastende Einsätze, sowie Schulungen in Dienststellen der Blaulichtorganisationen und dienen der besseren Verarbeitung von Einsätzen und damit der Vorbeugung von Folgestörungen.
INTERESSE? Du findest Einsatznachsorge interessant und wichtig?! Du würdest auch gern diese Tätigkeit im Ehrenamt ausüben?! Verstärke unser Team!!! Sprich unsere Kollegen des ENT in der Polizei an:

Jürgen Wildemann (PD West/VD Michendorf)
Roland Lange (PD West/KKI PI Pdm)
Sandy Feige (PD Süd/Präv. SFB)
Manuela Höbler (PD West/KDD Pdm)
Anke Jäger (SKE HPol OR)
Beate Wolf (Seelsorgerin HPol OR)
Matthias Mehlhorn (SKE HPol OR)

 

Die Arbeit des ENT-Brandenburg im Jahr 2019

Schulungen und Informationsveranstaltungen -Primäre Prävention

 

Im Land Brandenburg fanden 2019 insgesamt 25 Informations- und Schulungsveranstaltungen bzw. Termine der Öffentlichkeitsarbeit statt, die von Mitgliedern des Einsatznachsorgeteam durchgeführt wurden. Diese richteten sich an folgende Personen/Institutionen:

  • Kameraden der Freiwillige Feuerwehren und Berufsfeuerwehr
  • Führungskräfte der Feuerwehr
  • Polizeikräfte
  • Zoll
  • Airport

Hier wurden mehr als 531 Einsatzkräfte erreicht.

 

Einsatzgeschehen im Jahr 2019 – Sekundäre Prävention

 

2019 wurde das ENT im Rahmen der sekundären Prävention zu insgesamt 59 Nachsorgemaßnahmen im ganzen Land Brandenburg angefordert.

 

In den 59 Nachsorgemaßnahmen konnten 303 Einsatzkräfte erreicht werden. Es wirkten bei den verschiedenen Einsätzen 97 ENT-Kolleg*innen (z.T. mehrmals in verschiedenen Einsätzen) mit.

 

In 2019 fanden jeweils im Abstand von mehreren Tagen zum belastenden Einsatz 32 Einsatznachbesprechungen für eine Gruppe (Debriefing) mit insg. 220 Teilnehmenden statt.

Eine andere methodische Form der Einsatznachbegleitung sind Einzelgespräche, die in 2019 zwölfmal angefordert wurde. Fünf telefonische Beratungen, vier kollegiale Gespräche sowie die Beratung eines Wehrleiters waren weitere Einsatzformate im Jahr 2019.

Das ENT begleitete eine Beerdigung sowie drei Trauergespräche.

Erneut wurde das ENT auch von einer Jugendwehr für eine Nachsorgemaßnahme angefordert.

 

Nach wie vor sind die Feuerwehren im Land Brandenburg die Hauptanforderer

(33 Anfragen, z.T. mit anderen), gefolgt von der Polizei (18), dem Rettungsdienst (5, z.T. mit anderen) sowie DLRG sowie DRK (je 1).

 

Personalentwicklung ENT-Mitglieder im Jahr 2019

 

Bezugnehmend auf die Qualitätsrichtlinien des BBK ist die kontinuierliche Qualifizierung der Teammitglieder ein stetiges Arbeitsfeld der Leitungstätigkeit.

Im März 2019 wurde daher für die ENT-Mitglieder die o.g. Schulungsmaßnahme zum Thema „Trauer, Schuld und Wut“ angeboten. Das in 2017 eingeführte mehrstufiges Zugangsprozedere für die Mitarbeit im ENT Brandenburg ermöglichte nunmehr nach einem strukturierten Kennenlernprozess für beide Seiten die informierte Entscheidung in Bezug auf eine weitere ENT-Mitarbeit zu treffen.

Drei Teammitglied nahm am Lehrgang der SbE-Bausteine I und II http://www.sbe-ev.de/index.php/de/ausbildung teil, ein Teammitglied vervollständigte seine Ausbildung mit dem SbE-Baustein IV.

 

Qualitätssicherung

 

Als Instrument der Qualitätssicherung wurde in 2017 ein standardisierter Fragebogen entwickelt und 2018 erstmals kontinuierlich zum Einsatz gebracht. Der Fragebogen wird 14 Tage nach der Nachsorgemaßnahme mit der Bitte um eine freiwillige Rückmeldung der Gesprächsteilnehmenden an die Anforderer geschickt.

Bei einem Rücklauf von ca. 50% bewerteten ca. 80% davon die Nachsorgemaßnahme als Sehr gut,  20 % als Gut

 

In den zahlreichen Nachsorgemaßnahmen wird von den Einsatzkräften erlebte Gewalt während des Einsatzes (Beleidigung, Behinderung der Arbeit, Gefährdung etc.) genannt. Darauf reagierend beabsichtigt das ENT für die fachliche Weiterentwicklung der Mitarbeitenden in 2021 zu diesem Themenkreis einen Referenten für das Frühjahrsseminar einzuladen.

 

Öffentlichkeitsarbeit

 

Durch die Mitwirkung in sechs verschiedlenen öffentlichen Veranstaltungen konnte in 2019 eine breite, z.T. politische, Öffentlichkeit über die Intention der Einsatznachsorge  sowie die Arbeit und verschiedenen Angebote des Teams informiert werden.

 

Leitungsarbeit und Vernetzung

 

Im Jahr 2019 waren zwei Leitungstreffen zur fachliche Entwicklung des ENT, zur Vorbereitung der Seminare sowie der Auswertung der Einsatzaktivitäten.

 

2019 fanden folgende Kooperationsaktivitäten statt:

  • PSNV-Regionalkonferenz in Berlin
  • PSNV Symposium Ahrweiler
  • Symposium Polizei Potsdam Eiche zum Thema PSNV in GSL
  • Veranstaltung der FUK in Rangsdorf – Vernetzung PSNV mit den Notfallpsychologen der ostdeutschen Psychotherapeutenkammer
  • Treffen AG PSNV BB
  • Sitzungen KBM Tagung
  • Vernetzung Opferschutz der Stadt Potsdam
  • Vernetzung Traumaambulanz der Stadt Potsdam
  • Vernetzung Psychologen PÄD der POL BB
  • Kontakte, Vernetzung PSNV – Sachsen, NRW, Niedersachsen, HH, B
  • Vernetzung GPTG Berlin Themenbereich: Einsatznachsorge (mit Einbindung an der LSTE durch Joachim Häcker)
  • Vernetzung TH Mittelhessen zum Thema PSNV in GSL und Einsatznachsorge
  • Kontakt zum SbE Bundesverband -Oliver Gengenbach – zum Thema: Versorgung Mitarbeiter Sea Watch
  • Kontakt BBK – Jutta Helmerichs und Mark Overhaben
  • Hospitationen LSt Potsdam und Brandenburg/Havel
  • Vernetzung Flughafenfeuerwehr Berlin Tegel und Berlin Schönefeld
  • Vernetzung Notfallmanagement/Austauschforum Notfallplanung TXL und SXF
  • Vernetzung PD Süd, StB 1.1. Polizei Brandenburg (zuständig künftig für den BER)

 

 

Wichtige Hinweise zu Covid 19 für Einsatzkräfte! Bitte auf den Link klicken!

Hinweise für Einsatzorganisationen

COVID-19_Merkblatt